Glas Velt
Zur industriellen Massenproduktion identischer Serien von Glasprodukten werden verschiedene Techniken angewandt, um die Kosten der Herstellung auf ein Minimum zu reduzieren: Automaten produzieren Tag für Tag Hunderttausende von Flaschen. Pressen stanzen aus heißem, flüssigen Glas die gewünschten Formen heraus. Zentrifugen schleudern die Glasmasse an die Außenseite einer Form, wo sie dann erkaltet. Selbst mundgeblasenem Glas sieht man seine Handfertigung nicht mehr an, wenn der Glasbläser Techniken beherrscht, durch steretype Bewegungen jede individuelle Handschrift in der Glasherstellung zu vermeiden.
Die Manufaktur Velt setzt sich bewusst von diesen uniformen Produktionsmethoden ab. Mundgeblasenes Glas gibt dem Künstler fast unbegrenzte Möglichkeiten, sein Objekt durch verschiedene Eingriffe individuell zu gestalten. Maria Veltuzen-Nagrabecka und Leszek Nagrabecki schaffen seit nun mehr 30 Jahren einzigartige, von Hand signierte Gebrauchsgläser. Sie bestechen durch ihre individuelle Formgebung und faszinieren mit ihrem Lichtspiel. Jedes Glas ist signiert, in der Anfangszeit mit dem vollen Namenszug “ Veltuzen ”, heute verkürzt mit “ Velt “.
Jeremi Nagrabecki, 1977 in Warschau geboren, studierte Polonistik an der Warschauer Universität, beruflich jedoch widmet er sich der Projektierung von Glasobjekten.
Er entwirft vor allem Lampenschirme aus Natriumglas. Dabei verbindet er traditionelle Herstellungsweisen mit modernem Design: Die Kollektion “ Laga ” basiert auf der Eigenschaft von Glas als Lichtleiter, die Lampe “ CAMERA OBSCURA ” nutzt den Effekt einer spiegelverkehrten Projektion, und Modelle des Typs “ Auge ” lenken den Lichtstrahl mit Hilfe eines außen sitzenden Magneten.
Jeremi Nagrabecki präsentierte seine Lampenkonstruktionen in den vergangenen Jahren auf zahlreichen Ausstellungen in Polen und im Ausland:
2004 Ausstellung Zerbrechlich & Transparent – Rathaus der Stadt Mödling, Österreich
2004 Ausstellung der Wystawa lamp autorskich – Między Nami Cafe, Warschau
2004 Messe Światło 2004, Warschau
2005 Ausstellung Dobry Wzór, Instytut Wzornictwa Przemysłowego, Warschau
2005 Galerie Papiernia Galeria, Steel Forrest, Konstancin-Jeziorna, Polen
2005/2006 Ausstellungen Designed In Poland, Berlin, Hamburg, Helsinki
2006 vertreten in der Galerie Artefactum – Kunst und Design aus Polen, Wiesbaden, Deutschland
2007 Wettbewerbausstellung „Prodeco”, Warschau
2009 Boutik Junger Projektanten, Domar, Breslau
2009 Artinfo Dizajn – Człowiek i Projekt, Warschau
2009 Neon-Lichtinstalation, Nacht der Museen, Warschau
2009 Artinfo Dizajn – Człowiek i Projekt,
2009 Artinfo Dizajn – Człowiek i Projekt, Śląski Zamek Sztuki i Przedsiębiorczości, Teschin, Polen
2009 Ausstellung und Aktion der Lampe “ CAMERA OBSCURA “, Galerie ART+on Domu Aukcyjnego Rempex, Warschau
2007 eröffnete Jeremi Nagrabecki in Warschau, Próżna Straße 12, die Galerie „ Velt ”. Neben seinen Lampen präsentiert und verkauft er auch kunstvolle Glaswaren nach Entwürfen seiner Eltern Maria Veltuzen-Nagrabecka und Leszek Nagrabecki.
Produktionsgeheimnis einer Patere (Glasplatte)
(Gekürzte, vereinfachte Darstellung)
Mit Hilfe einer Glasmacherpfeife, einem langen Stahlrohr, wird sorgfältig und mit viel Geschick wie mit einem Strohhalm eine Glasblase geformt, aus der die gewünschte Form in mehreren Arbeitsschritten gebildet wird. Die Glasblase erstarrt und kann so weiteres flüssiges Glas aus dem Ofen aufnehmen, indem man sie wie einen Löffel durch ein Glas Honig zieht. Gehalten durch eine hölzerne Untertasse mit Stil, wird der Glasrohling weiter gedreht, gehalten, geblasen und geformt, bis sich die Glasmasse der gewünschten Form annähert. Sie ähnelt einer aufgeblähten Birne mit dünnem Boden und sich verdickenden Wänden. Um aus der Birnenform eine Schale zu gestalten und die Ränder bearbeiten zu können, muß die Glasmacherpfeife entfernt werden. Die Glasbirne, permanent gedreht, wird zu einem weiteren Ofen mit einer großen, fauchenden Flamme getragen, während in den Boden der Glasmasse eine zweite Glasmacherpfeife gestoßen wird. Inzwischen ist das Glas milchig und weich geworden. Die Ränder werden mit einer Schere abgeschnitten. Wieder erwärmt wird an den Rändern halbflüssiges, koloriertes Glas aufgetragen und so lange erwärmt, bis es weich wird. Mit Hilfe eines ständig befeuchteten Stabes, um zu verhindern, dass er Feuer fängt, wird die Glasbirne immer wieder erwärmt und geweitet, bis aus ihr eine Schale geworden ist. Durch langjährige Erfahrung weiß der Glasbläser jenen Augenblick zu erkennen, in dem er die Schale an der Glasmacherpfeife so lange dreht, bis sich ihre Form durch die Fliehkräfte der Drehungen gänzlich zu einer Platte mit einem schmalen kolorierten Rand ausgebildet hat. Jetzt kann die Glasmacherpfeife abgezupft werden – daher die Bezeichnung “gezupftes Glas”. Mit einer Gabel wird die Platte in einen Kanalkühlofen geschoben. Dort verweilt sie etliche Stunden und wird langsam abgekühlt. Wie den Menschen sein Nabel an seine Entstehung im Bauch seiner Mutter erinnert, so verbleibt am Boden der Platte ein Glasrest, der vom Abzupfen der Glasmacherpfeife herrührt und das Produkt ausweist als nach alter Meisterart geschaffenes.
Während industriell gefertigtes Glas unterschiedslos daherkommt, bewahrt gezupftes Glas in Form und Farbgebung seine Individualität. Keines ist mit einem anderen identisch. Man sieht ihm an, dass es aus flüssigem Glas entstanden ist, das in einer individuellen Bewegung erstarrte. Unsere Glaskunst ahmt so die Natur nach, wo kein Blatt dem anderen gleicht, die Individuen einer Art sich bei aller Ähnlichkeit unterscheiden.